Weniger Ego, mehr Wir – ein Plädoyer für Teamarbeit

Weniger Ego, mehr Wir – ein Plädoyer für Teamarbeit

Während wir zur Bescheidenheit erzogen werden, lernen wir schon bald, dass ein großes Ego meist schneller zum Erfolg führt. Wer lauter ist und die Ellenbogen ausfährt, kommt voran und hat das Sagen. Das setzt sich im Berufsleben fort und führt in Bewerbungen dazu, dass Kandidaten ihren Aufgaben- und Verantwortungsbereich übertreiben. Auch im Vorstellungsgespräch sollen wir uns dann selbstbewusst verkaufen. Wie kann die Aufwertung solcher Eigenschaften im Team funktionieren? Manch einer mag im Laufe seines Arbeitslebens den Eindruck bekommen, dass die Bezeichnung Team eigentlich nur eine Gruppe von Einzelkämpfern meint, die wenig bis kein Interesse aneinander haben. Zusammengearbeitet wird schließlich nur, wenn es für den eigenen Vorteil nötig ist.

Nun aber genug der Provokation. Natürlich ist es nicht in jedem Team so und der eine oder andere Leser hat sich bis hierhin vielleicht schon an die Stirn getippt. Trotzdem bleibt die Zusammenarbeit in einer Gruppe von Individuen eine Herausforderung. Wir haben uns überlegt, welche Punkte wir als ausschlaggebend für gute Teamarbeit empfunden haben.

1. Offenheit und Vertrauen

Jedes Teammitglied kann sich frei äußern, ohne unprofessionelle Kommentare von der Seite fürchten zu müssen. Im Gegenzug hören alle Kollegen einander aufmerksam zu. So entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der jeder gerne seine Ideen einbringt. Meinungsverschiedenheiten sind dabei kein Hindernis, sondern treiben die Projektarbeit voran.

Im Gegenzug trägt jedes Teammitglied dafür Verantwortung, dass alle sich an die Regeln für ein faires Miteinander halten. Jeder Kollege sollte sich auf den Rückhalt im Team verlassen können. Grundlage dafür bildet eine gemeinsame Entscheidungsfindung.

2. Klare Ziele

An welchem Strang ziehen wir? Jeder im Team muss Gelegenheit haben, die gemeinsamen Ziele zu verstehen. Ins Nichts zu arbeiten gibt sehr schnell ein Gefühl von Isolation und Sinnlosigkeit.

Die Ziele müssen dabei nicht unbedingt vom Chef vorgegeben werden, sondern können auch gemeinsam entschieden werden. Wichtig ist dabei immer auch, Deadlines festzulegen, um auf Kurs zu bleiben.

3. Austausch

Sind die Ziele klar, sollte der Arbeitsfortschritt regelmäßig geprüft werden. Schließlich verändern sich die Bedingungen häufig noch und erfordern eine veränderte Herangehensweise. Gemeinsam können Hindernisse deutlich leichter bewältigt werden.

4. Professionell bleiben

Klar mögen wir nicht alle Kollegen gleich gern und vielleicht ist sogar einer dabei, der uns richtig aufregt. Glücklicherweise verpflichtet der Kollegenstatus nicht zur Freundschaft. Da hilft es doch eher, sich nicht unnötig an den negativen Eigenschaften anderer aufzuhängen und zielorientiert zu bleiben.

Nicht zuletzt basiert Teamarbeit auch auf der Annahme, dass unterschiedliche Sichtweisen zu mehr Produktivität führen und bereichernd wirken. Damit das funktioniert, ist eine gewisse Toleranz für einander unabdingbar.

5. Klare Verantwortlichkeiten

In Hinblick auf schwierige Kollegen helfen auch klare Verantwortlichkeiten. Denn es arbeitet zwar jeder an einer anderen Aufgabe, in der Summe bilden die Arbeitsergebnisse jedoch das Ziel, welches erreicht werden soll. Dabei sollte jeder seinen eigenen Verantwortungsbereich haben und diesen auch im Team vertreten.

Oft werden Arbeitsaufträge nicht erledigt, weil es keine klare Verantwortung gibt. Dahinter steckt nicht zwangsläufig Faulheit oder gar Bösartigkeit, sondern eine andere Wahrnehmung der Aufgabenverteilung. Ein Großteil des anfänglichen Aufwands sollte daher in die Klärung von Zuständigkeiten fließen.

6. Kritisch bleiben

Ein erfolgreiches Team reflektiert die eigene Arbeit. Was im letzten Projekt funktioniert hat, muss nicht immer die beste Lösung sein. Und wahrscheinlich gab es auch Dinge, die einfach nicht so gut gelaufen sind. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil der Entwicklung als Team.

Auch hier ist Offenheit der Schlüssel zum Erfolg. Konstruktiver Austausch kann nur erfolgen, wenn jeder Kollege sich die Zeit nimmt und bereit ist, das eigene Arbeitsverhalten anzupassen, wo es für das Team sinnvoll ist.

„Alles schön und gut“, mag jetzt mancher sagen. Uns ist klar, dass die Wirklichkeit sich nicht immer so leicht kategorisieren lässt und wir alle nur Menschen sind. Trotzdem finden wir es sinnvoll, wenn jeder sich von Zeit zu Zeit die oben genannten Punkte ins Gedächtnis ruft und nicht nur die Kollegen mit einem kritischen Auge betrachtet, sondern auch das eigene Handeln hier und da mal in Frage stellt. Teamarbeit ist eben ein gemeinsames Projekt.



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