Inselkultur in Unternehmen

Inselkultur in Unternehmen

Viele Unternehmen sind durch Inseln charakterisiert. Denn sie sind organisiert nach Bereichen (Marketing, Controlling), nach nationalen oder internationalen Standorten oder nach Produkt- und Dienstleistungsangebot (Helpdesk, Produkt A, Produkt B). An und für sich ganz logisch, vor allem in Zeiten, in denen das neue, übergreifende Arbeiten noch nicht möglich war.

Inseln sind in allen Unternehmen zu finden. Denn die meisten Unternehmen sind in kleinen Einheiten organisiert, die ein bestimmtes Aufgabenpaket erfüllen. Abteilungen, Standorte, Teams bilden eine Gruppe mit einer eigenen Subkultur: einer gemeinsame Art, die (Arbeits-) Welt zu sehen, zu bewerten und darauf zu antworten.
Das ist ein natürliches Phänomen: Die gesamte Organisation ist zu groß, aber die zehn bis zwanzig Menschen, mit denen man täglich oder regelmäßig intensiv zusammenarbeitet und die man besser kennt – das ist die Gruppen, zu der man gehört. Diese Anzahl von Menschen ist für das Gehirn greifbar. Die restlichen Mitarbeiter des Unternehmens sind entweder, neutral gesprochen, "die Anderen" oder, weniger neutral: "die Schleimer des Marketings, die immer zu viel versprechen" oder "die Haarspalter der Buchhaltung".

Gruppenbildungen oder Inseln erfüllen ein menschliches Bedürfnis, den anderen zu kennen, zu vertrauen und dazuzugehören. Das funktioniert gut, denn es ist sicher und zuverlässig. Die hartnäckigsten Gruppen und Inseln befinden sich daher in den Köpfen der Menschen und nicht faktisch in der Struktur der Organisation.

Ein paar Tipps für eine gesunde Inselkultur

1. Was man kennt, das mag man

Sobald die Menschen regelmäßigen Umgang haben und sich besser kennenlernen, wird Vertrauen geschaffen. Dies geschieht innerhalb von Gruppen oder Inseln, funktioniert aber auch zwischen den Inseln.

Dies kann auf vielfältige Weise geschafft werden: Durch die Einrichtung von temporären Arbeitsgruppen oder Projektteams mit Mitgliedern von verschiedenen Inseln. Oder auch durch permanente Veränderung der Organisationsstruktur, in der z. B. anstelle der Inseln des Marketings und der Produktion eine interdisziplinäre Gruppen mit Multifokus an einem Produkt bzw. einem Service arbeitet.

Es kann auch in Form von Arbeitsessen oder Teambildungsmaßnahme und -trainings für Mitglieder verschiedener Inseln erfolgen, wo sie eine gemeinsame Mission formulieren, gemeinsam Ziele setzen und sich auf Arbeitsmethoden einigen. Und vor allem: Jeder muss lernen, seinen Ärger auszudrücken. Das kann sehr aufschlussreich sein, denn die eine Insel hatte oft keine Ahnung von der Wahrnehmung der anderen.

2. Gemeinsame Interessen schaffen

Das gemeinsame Interesse liegt in diesem Fall eine Ebene höher als die Inseln selbst. Die Verantwortlichen sollten klarstellen, dass ein solches gemeinsames Interesse, wenn es nicht erreicht wird, letztendlich allen Inseln zum Nachteil sein wird. Die Konsequenzen daraus müssen also deutlich sein.
Sorgen Sie als Verantwortlicher dafür, dass die Mitarbeiter in den Inseln das gemeinsame Interesse und Ziele immer wieder vor Augen haben, damit sie dementsprechend handeln.

3. Trainieren Sie die externe Bezugnahme und den Abgleich zwischen den Gruppen

Sehr starke Inseln werden durch den internen Bezug geschaffen: Gruppen nehmen ihre eigenen Wertvorstellungen, Kriterien und Ziele als Ausgangsbasis. „Wir machen unsere Arbeit gut, weil sie unseren eigenen Maßstäben gerecht wird. Wir wollen Informationen auf unsere eigene Art und Weise erhalten, andernfalls machen wir damit nichts.“

Der interne Bezug basiert auf einem selbst, auf der eigenen Gruppe. Das gibt Kraft und macht schwierige Arbeit übersichtlich; aber es bedeutet auch, dass sich andere, Kollegen wie auch Kunden, daran anpassen müssen.
Ein externer Bezug geht von der anderen Person aus: Was ist für diese Abteilung oder Person von Bedeutung? Externe Bezugnahme führt zu Kundenorientierung, die auch innerhalb des Unternehmens von Bedeutung ist.

Die Frage ist hier: Sehen die Inseln ihre Kollegen von anderen Inseln als Kunden oder als Konkurrenten? Die jeweilige Sichtweise bestimmt das Verhalten des Mitarbeiters. Eine externe Referenz kann dabei erlernt werden. Indem man gemeinsame Interessen sieht und vor allem fühlt, Kollegen als Kunden und Unterstützer sieht, indem man zuhört (was wollen sie?), indem man übereinstimmt: Man achtet auf die Ähnlichkeiten mit anderen Inseln und nicht auf die Unterschiede. Welche Vorteile hat die Anpassung an einige Arbeitsmethoden? Was sind die Nachteile, wenn man es nicht tut? Wie greifbar sind diese Nachteile?

Ein auf diesen Metaebenen basierendes kurzes Aktionsprogramm kann Wunder vollbringen, denn es fördert das Verständnis und die Solidarität und packt die Inselchen dort, wo sie hartnäckig sind: in den Köpfen der Menschen.



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